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FACHGEBIET KONSTRUKTIVE ENTWURFSMETHODIK  PROF. RENZO VALLEBUONA

Entwerfen und Konstruieren ist ein schwer zu fassender Vorgang. Dies zeigt sich in der kaum einzugrenzenden Zahl und Komplexität der tangierten Fach- und Wissensgebiete, wie auch in der Vermengung rationaler und intuitiver Entscheidungsprozesse. Am Ende kann naturgemäß nicht die eine Lösung stehen, sondern allenfalls eine von anderen möglichen. Dies erschwert es, zu Beginn einen der Wege zu einem schlüssigen Entwurf und dessen Umsetzung in Material und Konstruktion zu finden und zu beschreiten. Unter diesen Voraussetzungen ist es kaum möglich, die notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten in ein einfach strukturiertes Lehrkonzept zu fassen, das gar linear vermittelt und abgearbeitet werden kann. Widersprüche, Sprünge und Ungereimtheiten sind nicht auszuschließen. Da wir diese nicht auflösen können, müssen wir lernen, mit ihnen umzugehen. Auf der anderen Seite bedarf es in jeder Lehre einer Struktur und eines didaktischen Aufbaus, der den Lernenden den Einstieg überhaupt ermöglicht. Beides ist also notwendig, der klar fassbare Aufbau und der offene Diskurs. Davon ausgehend, überlagern sich in unserer Lehre mehrere Handlungsstränge. Immer wieder werden verschiedene Betrachtungsebenen eingenommen. So wird ein Sachverhalt zum Beispiel vornehmlich aus der betrieblich-nutzungsmäßigen oder der konstruktiv-technischen Perspektive betrachtet. Die verschiedenen Gesichtspunkte tauchen im Verlauf des Entwerfens immer wieder auf, vermengen und überlagern sich mit unterschiedlichen Gewichtungen. Von Beginn an wird eine ganzheitliche Betrachtung von Architektur gepflegt; die hierfür relevanten Fragen werden gestellt. Der anfänglich niedere Schwierigkeitsgrad wird erst allmählich gesteigert. Die ausgesuchten Objekte werden für einen Ort mit realen Randbedingungen entwickelt. Konkrete funktionale Anforderungen müssen erfüllt und in einen räumlichen Zusammenhang gestellt werden. Die Frage, ob dies in angemessener Weise erfolgt, das heißt im weitesten Sinne ökonomischen Kriterien standhält, ist ein wesentlicher Teil der architektonischen Auseinandersetzung. Dieser Ansatz erfordert auch den bewussten Umgang mit den notwendigen Ressourcen, und den damit verbundenen ökologischen Bedingungen. Die Aufgaben umfassen immer auch die konstruktive, wenigstens beispielhafte Durcharbeitung der gewählten Konzepte. Was in der Theorie der Vorlesung oder des Korrekturgespräches an abstrakten Gedanken entwickelt wird, tritt in der Übung in die praktische Welt der Erfahrung. Denken und Handeln gehören im Entwurfsprozess untrennbar zusammen, sie bedingen sich gegenseitig. In der Übung sollen die Dinge zu Ende gedacht und gebracht werden. Tiefe soll ergründet werden; nicht gefälliges Entwerfen ist das Ziel. In der Übung lernt der Entwerfende seine Gedanken in die dingliche Welt zu übertragen. Gelingt es dabei in einem nachvollziehbaren Prozess, auch Verstandes- und Gefühlsmäßiges zu vereinen, haben wir unser Ziel erreicht.