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Regionalistische Strategien in der Architektur Graubündens. Von 1900 bis in die Gegenwart.

Abgeschlossene Dissertation Dr. Ulrike Fischer bei Professor Ludwig Wappner

 

Als Reaktion auf die zunehmende Verflechtung einer grenzenlos erscheinenden Welt machen sich heute auf gesellschaftlich-kultureller Ebene gegenläufige Tendenzen bemerkbar: Eine Sehnsucht nach dem Regionalen, dem Begrenzten und dem Begreifbaren. Auch in der Architekturdiskussion wird in aktuellen Beiträgen eine erneute Hinwendung zu den räumlich-regionalen Aspekten des Lebens deutlich und der Wunsch nach Bauwerken geäußert, die Identität stiften und an die regionale Baukultur anknüpfen. In diesem Zusammenhang spielt Regionalismus in der Architektur als „gestalterische Tendenz“ eine bedeutende Rolle.

In Fachkreisen werden regionalistische Strategien in der Architektur kontrovers diskutiert. So sehen Regionalismus-Kritiker in der Bezugnahme auf regionale Bautraditionen die Gefahr des formalen Rückgriffs mit sentimentalem Ziel. Ein Rückgriff auf „typische Bilder“ einer Region führe dann eher zu einer Verflachung der Baukultur als zu ihrer Fortschreibung. Vor diesem Hintergrund, aber auch vor dem Hintergrund der als Bedrohung empfundenen Homogenisierung der Umwelt, setzt die vertiefende Untersuchung von Regionalismus in der Architektur an.

Die zentralen Fragen sind, ob die Architektur schicksalhaft den gegebenen Konditionen ausgeliefert ist oder ob sie, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst, die bestehenden Rahmenbedingungen in einem produktiven Sinn aufnehmen kann; ob durch regionalistische Ansätze in der Architektur regionale Baukultur und Identität erhalten bzw. gestiftet werden kann, und wie Architekten dabei vorgehen können, um nicht eine Verflachung, sondern eine Fortschreibung der Baukultur zu erzielen.

Im Fokus dieser Arbeit steht die Untersuchung regionalistischer Tendenzen in der Architektur des Schweizer Kantons Graubünden. Neuere Bauwerke international bekannter, in Graubünden arbeitender Architekten wie Peter Zumthor und Gion A. Caminada haben in den letzten drei Jahrzehnten die Region der Architekturszene bekannt gemacht. So steht die Region auch für eine Architektur, der es gelingt an alte Traditionen anzuknüpfen ohne sentimental zu werden und ins Folkloristische abzudriften.

Mit der Untersuchung werden Entstehung, Zusammenhänge und Strategien des Regionalismus aus architektonischer Sicht erforscht und beschrieben. Regionalismus in der Architektur wird an Stelle einer universellen, individuellen Architektur dabei als möglicher Weg in Betracht gezogen, um regionale Baukultur und Identität zu erhalten und dem Prozess der Nivellierung der gebauten Umwelt entgegenzuwirken.

 

 

 

Die Publikation ist über den Wasmuth Verlag unter folgendem Link erhältlich.
http://www.wasmuth-verlag.de/?s=getbooks&rubrik=7&urubrik=&ls=2

 

Presseartikel, der Architekt, Ausgabe 4, 2018